Kickboxen verbrennt je nach Körpergewicht und Tempo grob 300 bis 1.000 Kalorien pro Stunde, eine 70 kg schwere Person im normalen Kickboxtraining rund 510 kcal. Dazu kommt ein Nachbrenneffekt (EPOC), der deinen Stoffwechsel über mehrere Stunden nach dem Training leicht erhöht hält. Damit liegt Kickboxen beim Kalorienverbrauch in einer ähnlichen Größenordnung wie Joggen, beansprucht aber den ganzen Körper: Beine, Rumpf, Schultern und Koordination. Der wichtigste Faktor zum Abnehmen ist allerdings nicht die einzelne Stunde, sondern dass du dranbleibst. Und genau dafür ist ein abwechslungsreiches Training wie Kickboxen gut geeignet.
In diesem Guide zeigen wir dir aus 20 Jahren Trainingshalle, mit welchen Zahlen du realistisch rechnen kannst, wie Kickboxen im Vergleich zum Joggen abschneidet und, am wichtigsten, wie du als kompletter Anfänger sauber startest, ohne dich zu überfordern. Wir bleiben dabei ehrlich: Kickboxen ist ein hervorragendes Werkzeug, aber kein Wundermittel.
Wie viele Kalorien verbrennt Kickboxen pro Stunde?
Kickboxen verbrennt pro Stunde je nach Körpergewicht und Tempo grob 300 bis 1.000 Kalorien. Die genaue Zahl hängt vor allem von zwei Dingen ab: deinem Körpergewicht und der Intensität, mit der du trainierst. Je schwerer du bist und je härter du arbeitest, desto höher liegt der Verbrauch.
Die Werte in der Tabelle stammen aus dem 2024 Adult Compendium of Physical Activities, der wissenschaftlichen Referenzliste für den Energieverbrauch von Aktivitäten (Herrmann et al., Journal of Sport and Health Science 2024). Gerechnet ist mit der Standardformel kcal pro Stunde = MET × Körpergewicht in kg, denn ein MET entspricht laut Compendium 1 kcal pro Kilogramm und Stunde. Die drei Spalten folgen drei Einträgen des Compendiums: „Martial Arts, slower pace, novice performers, practice“ (5,3 MET), „Kickboxing“ (7,3 MET) und „Martial Arts, moderate pace“, bei dem Kickboxen ausdrücklich als Beispiel genannt ist (10,3 MET). Welche Spalte zu deiner Einheit passt, ist unsere Einordnung aus der Halle.
Kalorienverbrauch beim Kickboxen nach Körpergewicht (kcal pro Stunde)
| Körpergewicht | Technik, ruhiges Tempo5,3 MET · Code 15425 | Kickboxtraining allgemein7,3 MET · Code 15457 | Zügiges Tempo, z. B. Pratzen, Sparring10,3 MET · Code 15430 |
|---|---|---|---|
| 55 kg | 290 | 400 | 570 |
| 60 kg | 320 | 440 | 620 |
| 65 kg | 340 | 470 | 670 |
| 70 kg | 370 | 510 | 720 |
| 75 kg | 400 | 550 | 770 |
| 80 kg | 420 | 580 | 820 |
| 90 kg | 480 | 660 | 930 |
| 100 kg | 530 | 730 | 1.030 |
Warum ist die Spanne so breit? Kickboxen ist kein gleichmäßiges Dauer-Cardio. Du wechselst zwischen schnellen Schlag- und Tritt-Kombinationen, Beinarbeit und kurzen Pausen, also einem Intervall-Muster, das stark an HIIT erinnert. Wer am Sandsack oder an den Pratzen wirklich Gas gibt, landet eher in der rechten Spalte. Wer als Anfänger noch Technik lernt und sich Pausen nimmt, eher in der linken.
Beides ist völlig in Ordnung. Die Technik kommt zuerst, das Tempo später. Wer mit sauberem Stand und richtiger Schlagausführung beginnt, kann das Tempo nach ein paar Wochen ganz von allein steigern, und damit steigt auch der Kalorienverbrauch. Du musst also nicht von Tag eins an am Limit trainieren, um Fortschritte zu machen.
Ist Kickboxen besser als Joggen zum Abnehmen?
Beim reinen Kalorienverbrauch pro Stunde liegen Kickboxen und Joggen in einer ähnlichen Größenordnung. Eine 70 kg schwere Person verbrennt beim Joggen mit etwa 10 km/h rund 650 kcal pro Stunde (Compendium-Code 12050, 9,3 MET, Kategorie Running), beim Kickboxen je nach Tempo rund 370 bis 720 kcal. Normales Kickboxtraining liegt also etwas darunter, zügiges darüber. Der eine Sport ist damit nicht automatisch der bessere Fatburner.
Worin sich die beiden unterscheiden, ist die Art der Belastung:
- Joggen: gleichmäßiges Ausdauertraining, einfach zu starten, aber sich wiederholend und für viele auf Dauer monoton.
- Kickboxen: Ganzkörper-Training mit Beinen, Rumpf, Schultern und Koordination. Durch das Intervall-Muster bleibt der Puls in Wellen oben, und du lernst nebenbei eine echte Fähigkeit.
Die wichtigste Frage ist nicht, welcher Sport mehr Kalorien verbrennt, sondern bei welchem Sport du langfristig dabei bleibst. Genau hier punktet Kickboxen: Es macht vielen mehr Spaß als Laufrunden, und Spaß ist der am meisten unterschätzte Faktor beim Abnehmen.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Gelenkbelastung. Joggen bedeutet viele tausend gleichförmige Stöße auf Knie und Sprunggelenke. Kickboxen ist abwechslungsreicher in der Bewegung, stellt aber andere Anforderungen an Hüfte, Rumpf und Schultern. Welcher Sport für dich angenehmer ist, hängt von deinem Körper und deinen Vorlieben ab. Wenn du Knieprobleme hast oder unsicher bist, sprich das vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Unser ehrlicher Tipp aus der Halle: Du musst dich nicht entscheiden. Eine Laufrunde unter der Woche und zwei Kickbox-Einheiten ergänzen sich gut. Wichtig ist nur, dass du etwas findest, das du nicht nach drei Wochen wieder hinwirfst.
Was ist der Nachbrenneffekt beim Kickboxen?
Der Nachbrenneffekt, fachlich EPOC (Excess Post-Exercise Oxygen Consumption), beschreibt, dass dein Körper nach einem intensiven Training noch eine Weile mehr Energie verbraucht als in Ruhe. Nach dem Schwitzen muss der Körper wieder ins Gleichgewicht kommen: Sauerstoffspeicher auffüllen, Stoffwechsel herunterregeln, Muskeln reparieren. Das kostet zusätzliche Kalorien.
Konkret kannst du dir das so vorstellen:
- Zusätzlicher Verbrauch: je nach Intensität grob 50 bis 150 kcal nach dem Training
- Dauer: der Effekt kann sich über mehrere Stunden ziehen
- Auslöser: besonders die intensiven Intervalle (HIIT-Charakter) des Kickboxens regen EPOC stärker an als gleichmäßiges Dauer-Cardio
Wichtig zur Einordnung: Der Nachbrenneffekt ist ein netter Bonus, kein Wundermittel. Die zusätzlichen Kalorien sind überschaubar und ersetzen keine vernünftige Ernährung. Wer dir erzählt, du könntest im Schlaf abnehmen, verkauft dir etwas. Was wirklich zählt: regelmäßige Bewegung, mit der du dranbleibst, plus eine Ernährung, in der du über die Woche mehr verbrauchst, als du isst. EPOC hilft dabei, mehr aber auch nicht. Sieh den Nachbrenneffekt also als kleinen zusätzlichen Vorteil intensiverer Einheiten, nicht als Grund, sich danach mehr zu gönnen.
Wie fange ich als Anfänger mit Kickboxen an?
Als Anfänger startest du mit den Grundlagen: Stand, Deckung, die erste gerade Schlagkombination und kurzen Einheiten, die du sicher durchhältst. Du brauchst keine Vorerfahrung, keine Top-Kondition und auch keinen Sparringspartner. Du brauchst nur den ersten Schritt und einen Plan, der dich nicht überfordert.
So sieht ein sauberer Einstieg aus:
- Technik vor Tempo: Lerne zuerst den richtigen Stand und die Grundschläge. Saubere Technik schont deine Gelenke und sorgt dafür, dass du später effizienter und länger trainieren kannst.
- Kurze Einheiten: 15 bis 20 Minuten am Anfang sind völlig genug. Lieber kurz und regelmäßig als einmal eine Stunde und danach drei Tage Muskelkater.
- Zu Hause möglich: Für den Start brauchst du nicht einmal einen Sandsack. Schattenboxen, also Kombinationen in die Luft, reicht, um Technik und Kondition aufzubauen.
- Aufwärmen nicht überspringen: Gerade als Anfänger ist das Verletzungsrisiko bei ungewohnten Bewegungen höher. Ein paar Minuten Mobilisation vorweg lohnen sich immer.
Genau dafür haben wir den 7-Tage-FitStart gebaut: ein angeleiteter Einstieg, sieben Tage, jeweils nur etwa 20 Minuten. Trainer Marlon Tröscher (1. Dan ISKA) zeigt dir Schritt für Schritt Stand, Deckung und die ersten Kombinationen, von der ersten Minute an mitmachbar, egal wie fit du gerade bist. Kein Vertrag, kein Studio-Stress, du startest einfach von zu Hause.
Was du an Ausrüstung wirklich brauchst, ist überschaubar: bequeme Sportkleidung, etwas Platz und Wasser. Handschuhe und einen Sandsack kannst du dir später zulegen, wenn du gemerkt hast, dass dir das Training Spaß macht. So hältst du die Einstiegshürde niedrig und gibst dir die Chance, eine echte Routine aufzubauen, bevor du in Equipment investierst.